1306 Event Space – Miami

Die Schweißperlen rinnen von Stirn runter, am Hals entlang und versickern auf Kefthöhe im Stoff der C&A-Bux, während wir 100m vor dem Eingang des Miami Space, stehen. Die Sonne ist gerade untergegangen, trotzdem steht die Luft vor Hitze, kein leises Lüftchen. Ricardo, unsere Uber Bekanntschaft, sprach zwar kein Wort englisch – aber es bedurfte auch keiner gemeinsamen Sprache, richtig gefallen hat ihm unser Reiseziel nicht. Unkraut sprießt aus allen Ritzen des Asphalts und an Mauern, jede noch so kleine Nische hat sich die Natur vereinnahmt. Dicke Kabel ragen wie halb gegarte Spaghetti aus dem Boden, einzelne Kupferdrähte reflektieren das spärliche Licht der Laternen, deren Abstände zueinander immer größer wurden, je mehr wir uns vom Stadtzentrum entfernten. Jetzt sind wir so weit gefahren, da muss man auch in den Laden rein. Die werden uns schon nicht umbringen oder ausrauben… Kunde ist König, auch in Miami. Die letzten Zweifel wurden mit dem letzten Schluck schalem Eisbier weggespült. Würde nicht der 4/4 Takt und die Bässe durch das Gemäuer wummern, man könnte meinen, Ricardo hat die Adresse falsch verstanden. Doch hier sind wir richtig. Carl Cox 2 macht heute die Tür. Genau genommen geht das garnicht, es gibt keine Tür, nur eine Stelle, an der der keine Mauer steht; Keine Türe, und auch kein Dach. Carl mustert uns, seit wir uns in seine Richtung bewegen. „Tach – Miami Beach sexy Germans with sonnenbrand and Tennissocks – we came to party in your hood“ Welcome!

Erfahrung 1: Die Eintrittspreis-Wanderung
Im Gegensatz zum deutschen Technotempel, öffnet man hier schon um 6 das Tor. Wir kommen vor 19:00 Uhr und zahlen Zerrrrro Eintritt, hier nennt man das „no cover“. Ab 20:00 löhnt man 20$, ab 11:00 PM wirds dann mit 30 bucks schon recht exklusiv.

 

Erfahrung 2: Die Partypeople
Zu solch christlicher Stunde hängen nur die DJ-Groupie-Gang im Club rum, und ein paar Schimmlige in den Ecken, die die letzten drei Tage dort verbrachten. Die ungeteilte Aufmerksamkeit gewinnt sofort die ursprünglich Blonde, jetz aber bewusst Grauhaarige, mit dem mikro-Zylinder auf der Matte und dem Rambomesser auf dem Hals. Um kurz nach sieben zieht sie auf dem Dancefloor ihre Kreise, auffällig dabei ihre tiefschwarz geschminkten Fernseher.  Das Alter lässt sich nur grob einschätzen, der Körper ist jung, nur chirurgische Eingriff und die damit einhergehenden, überdimensionierten Bockwurstlippen deuten darauf, dass die besten Jahre schon eine Weile her sind.

Ein komplexes Spinnennetz aus schwarzen Fäden umhüllt die Gute, nur an ihren viel zu großen Hupen ein Stofffetzen, eine Abart eines Bikini, um die Sittenpolizei zu befriedigen und die Nippel zu bedecken. Brustwarzen sind ein totales NoGo – alles andere ist erlaubt. Generell sind Frisuren in Miami ein ganz großes Thema, je bescheuerter die Frisur nach deutschen Maßstäben ist, desto fescher ist man in Miami unterwegs. Wir schweifen ab… Der Rest der Clique lässt sich ähnlich beschreiben, alle sind auf eine eigene Art getunt (sprech „getjunt“(komisches Wort)), der Eine trägt die Haare im neunzig Grad Winkel als Keil , mit klarer Sicht auf den Seitenschädel, weil kahlrasiert, und spricht mit uns – aber leider können wir sein Gemurmel auf 10 Meter nicht deuten. Seine Gedanken sind jedoch noch da. Der Nordelman des Hauses begrüßt uns ganz herzlich, und auch der feste Handshake des Geschäftsmanns fehlt nicht „But you guys don’t want to stay sober, do you?“ Different places other prices…

Erfahrung 3: die Bar
Der Kellner strahlt seltsame Vibes aus. “ Germans Don’t Tip, right?“  Erst nach ein paar flinken Hieben auf die Auenbrauen rückt er mit dem Rest raus: „mi Mi Mi, er kellnert auf Provisionsbasis – verdient also nur durch Tips. Aha!!!! Ok, dann gibts nen Dollar Tip, but don’t spent it all at once!

Kurz noch zur Musik am Abend: Knackig, von Beginn an gings schon gut vorwärts. Sound auch Top, da kann man wirklich nicht meckern. Als dann das Handyakku zu neige ging, haben wir die biege gemacht. Heimkommen war Prio 1. Schade – Ort und Partypeople verheisungsvoll, da geht was.

Miami Space Event: 4 Stars (4 / 5)

zeeb

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